Der Schutz des Kendeng-Gebirges ist nicht verhandelbar
Pressemitteilung zur Hauptversammlung 2026 von Heidelberg Materials
Berlin / Pati, 13. Mai 2026 – Auf der Hauptversammlung von Heidelberg Materials 2026 forderten Vertreter:innen von JMPPK (Jaringan Masyarakat Peduli Pegunungan Kendeng) ein endgültiges Aus für das umstrittene Zementprojekt des Tochterunternehmens PT Indocement in Pati (Zentraljava, Indonesien), das seit Langem stillliegt.
Für die Menschen vor Ort ist der Erhalt des Kendeng-Karstgebirges von existenzieller Bedeutung. Sie verstehen den Schutz ihrer Umwelt nicht nur als Verteidigung ihrer eigenen Lebensgrundlagen, sondern auch als Beitrag zum globalen Klima- und Umweltschutz sowie als Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Entsprechend halten sie trotz jahrelanger Auseinandersetzungen an ihrem Widerstand fest.
Während der Hauptversammlung betonte Vorstandsvorsitzender Dominik von Achten die Rolle von Heidelberg Materials als „Anker der Stabilität“ für Mitarbeitende, Kund:innen, Partner und Aktionär:innen. Für die betroffenen Gemeinden in Kendeng stellt sich die Situation jedoch grundlegend anders dar. Sie leben seit Jahren in Unsicherheit, da das geplante Projekt ihre Heimat und Existenz bedroht.
Die Menschen in Kendeng können ihr Leben nicht in Ruhe führen. Jederzeit kann das Projekt umgesetzt werden und sie von ihrem Land vertreiben.
Das Projekt ist weder verantwortbar noch zeitgemäß
Seit Beginn unserer Beteiligung an den Hauptversammlungen weisen wir wiederholt auf eine amtliche Studie hin, die eindeutig belegt, dass große Teile der Region – darunter Tambakromo, Kayen und Sukolilo – stark erdrutschgefährdet sind. Genau in diesen Risikogebieten soll das Projekt durchgeführt werden. Weitere Untersuchungen machen deutlich, dass die ökologische Belastungsgrenze der gesamten Region längst überschritten ist.
Dennoch hält Heidelberg Materials an dem Vorhaben fest und verweist auf bestehende Genehmigungen und Gerichtsurteile. Diese basieren jedoch auf unternehmenseigenen Umweltverträglichkeitsanalysen, die erhebliche Mängel, fragwürdige Gutachten und fehlerhafte Daten enthalten.
Deshalb haben wir weitere Schritte eingeleitet. Bereits einen Tag vor der Hauptversammlung reichten zehn Betroffene aus Pati gemeinsam mit FIAN und Misereor, unterstützt von Watch Indonesia! und IDI, eine Beschwerde nach dem deutschen Lieferkettengesetz ein. Darin machen sie auf mögliche Menschenrechts- und Umweltverstöße aufmerksam.
Auf Medienanfragen erklärte das Unternehmen, das Projekt anpassen zu wollen, unter anderem durch einen möglichen Abbau oberhalb des Grundwasserspiegels, um das lokale Ökosystem zu schützen und sicherzustellen, dass die Lebensgrundlagen der ansässigen Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden. Diese Maßnahmen sind jedoch unzureichend.
Angesichts des bereits sehr fragilen Zustands des Kendeng-Gebirges ist ein Moratorium für den Bergbau dringend erforderlich. Das geplante Projekt ist in jeder Hinsicht weder verantwortbar noch zeitgemäß. Eine ökosoziale Katastrophe kann nur durch einen vollständigen Stopp des Vorhabens verhindert werden.
Proteste vor Ort: Symbolischer Alarm durch Lesung
Parallel zur virtuellen Hauptversammlung fanden in Pati Protestaktionen statt. Neben Diskussionsveranstaltungen setzten die Teilnehmenden auch kulturelle Zeichen des Widerstands. So wurde das traditionelle Lesung geschlagen. Es ist ein Symbol für Wohlstand und Leben, das zugleich als Warnsignal vor drohenden Gefahren dient.
Mit dieser Aktion machten die lokalen Bevölkerung deutlich, dass „Ibu Bumi“ – Mutter Erde – als gemeinsames Zuhause aller Lebewesen bedroht ist, durch Bergbau, Entwaldung und industrielle Großprojekte, die ökologische Grenzen missachten.
Die Folgen seien bereits sichtbar: Zunehmende Überschwemmungen verhindern die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Ernährungssicherheit ist gefährdet und die Zukunft kommender Generationen steht auf dem Spiel.
Lokaler Widerstand bleibt stark
Die Gemeinden rund um Kendeng engagieren sich weiterhin aktiv für den Schutz ihrer Region. Neben Wiederaufforstungsmaßnahmen organisieren sie Widerstand gegen Bergbauprojekte, insbesondere gegen solche, die illegal betrieben werden oder Umweltauflagen missachten.
Kontakt:
Janty Jie: jie@watchindonesia.de
