- Publikationen
- Information & Analyse
- Pressemitteilungen & Offene Briefe
- Berichte & Petitionen
- Informations- und Bildungsmaterialien
Ein Jahr Regierung Prabowo - Konsolidierung der Oligarchie, Zusammenbruch der ökologischen Gerechtigkeit und Bedrohung der Sicherheit der Bevölkerung
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine stark gekürzte eigene Übersetzung der Publikation von WALHI: „Catatan kritis – satu tahun pemerintah Prabowo - Kosolidasi Oligarki, Ambruknya Keadilan Ekologis, dan Terancamnya Keselamatan Rakyat“. Die originale Fassung ist verfügbar unter https://www.walhi.or.id/uploads/WALHI 2025-2029/Dokumen/Catatan Kritis Satu Tahun Pemerintahan Prabowo 2025.pdf
Einleitung
„Indonesia gelap“ (dt. „dunkles Indonesien“) ist nicht nur ein Hashtag, sondern spiegelt vielmehr die Realität in Indonesien unter der Führung von Präsident Prabowo und seines Vizepräsidenten Gibran wider. Eine Erhöhung der Anzahl der Ministerien, eine Politik, die den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt missachtet, sowie die Wiederbelebung militärischer Dominanz im zivilen Bereich kennzeichnen den Rückschritt in Indonesien. Während Prabowo in seinen Reden die Verfassung und die Souveränität des Volkes preist, wird diesen in der Praxis keine große Beachtung geschenkt.
Das erste Jahr unter der Regierung von Prabowo-Gibran hat gezeigt, dass sich die indonesische Demokratie immer weiter vom Geist der Verfassung entfernt. Es gibt offene Ambitionen, die Rolle des Militärs wieder zu stärken, was sich sowohl durch politische Maßnahmen zeigt als auch in der Praxis der Staatsführung, die geprägt ist durch militärische Ansätze. Die Fehler der Vorgängerregierung Joko Widodos werden unter Prabowo und Gibran fortgesetzt. Die Politik des Extraktivismus wird verstetigt und die Rechte der Bürger*innen auf eine intakte und gesunde Umwelt werden vernachlässigt.
Um des Wirtschaftswachstums willen: Lebensgrundlagen werden verpfändet und ein Berg von Schulden hinterlassen
Die Regierung Prabowos hat für die Wirtschaft ein Wachstumsziel von 8 % festgelegt.
Um dieses zu erreichen, muss die Regierung Investitionen weiter ankurbeln, insbesondere durch die Ausweitung von Genehmigungen für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die Umwelt und die soziale Ungleichheit.
Neben den Investitionen wird die Wachstumsstrategie auch mit einer Steigerung der Produktions- und Konsumaktivitäten einhergehen, was wiederum Extraktion und Ausbeutung natürlicher Ressourcen mit sich bringt. Die Wirtschaft nimmt auf das Gleichgewicht zwischen Extraktion und Regeneration der Natur keinerlei Rücksicht.
Bei der Verfolgung ihrer Wachstumsziele setzt die Regierung besonders auf die Ausweitung der Weiterverarbeitung und Veredelung (Hilirisasi) von Mineralien und Forstprodukten, aber auch andere nationale strategische Projekte werden weiter vorangetrieben. Grenzen der Belastbarkeit der Umwelt werden dabei außer Acht gelassen. Der Konsum soll gefördert werden, um so die Gewinne der Produzenten abzusichern, was dann wiederum das Abfallaufkommen und die Belastung für die Umwelt weiter erhöht. Dieser Teufelskreis beschleunigt die Klimakrise und verschärft das Risiko ökologischer Katastrophen.
Um die Wirtschaft weiter anzukurbeln, erscheinen der Regierung konsumtive, schuldenfinanzierte Staatsausgaben ein probates Mittel. Doch allein im Jahr 2025 muss die indonesische Regierung Schulden in Höhe von bis zu 1.353,2 Billionen Rupiah (ca. 69 Mrd. Euro) tilgen.[1] Man kann sich vorstellen, wie der Schuldenberg weiter wachsen wird, wenn mit Hilfe von Krediten ein Wirtschaftswachstum von 8 % erzielt werden soll. Die Schulden und Zinsen werden auch von zukünftigen Generationen getragen werden müssen, was ihnen möglicherweise kaum eine andere Wahl lässt, als die natürlichen Ressourcen noch stärker auszubeuten, um so die Schulden bedienen zu können.
Wachsender Staatsapparat als Spiegel der Transaktionspolitik
Das große Kabinett, das von Prabowo gebildet wurde, ist ein Spiegelbild einer zunehmend offen zutage tretenden Transaktionspolitik – einer Politik des Gebens und Nehmens, bei der Posten und Ämter gegen Loyalität und Unterstützung eingetauscht werden.
Noch nie in der Geschichte Indonesiens gab es ein so großes Kabinett mit insgesamt 48 Ministerien sowie 109 Minister*innen und Stellvertreter*innen. Möglich wurde dies durch eine Revision des Gesetzes Nummer 39 von 2008 über Staatsministerien, welche die Obergrenze für die Anzahl der Ministerien aufhob.
WALHI bewertet das Aufblähen des Kabinetts nicht nur als einen Ausdruck politischer Gier, sondern auch als Rückschritt der Bürokratiereform. Jedes weitere Ministerium bedeutet weitere Verwaltungsebenen, einen größeren Beamtenapparat und die Zunahme sektoraler Interessen. Dies alles lähmt die Arbeit des Staates. Dabei erfordern die Probleme des Landes eine solide sektorübergreifende Koordination, nicht einen Haufen Bürokratie. Eine Regierung, die auf politischen Transaktionen dieser Art basiert, wird zwar einen Bürokratenstaat schaffen, aber keinen Staat, der dem Volk dient. [2]
Hinter der Aufblähung und Vergrößerung des Kabinetts verbirgt sich eine immer deutlicher werdende Entwicklung: die Fortsetzung des Extraktivismus im Namen der Ernährungssicherheit, des Energiesektors und der Vertiefung der weiterverarbeitenden Industrien. Im Rahmen des Food-Estate-Projekts in Merauke werden zwei Millionen Hektar indigenen Waldes für Reisfelder und Zuckerrohr für Bioethanol freigemacht – ein Projekt, das der indigenen Bevölkerung nicht nur ihr Land raubt, sondern auch die Entwaldung und die Klimakrise beschleunigt.
Beim genauen Blick auf die Ordnung der Ministerien wird auch deutlich, wer davon profitiert. Das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Meeresangelegenheiten ist nun unter dem Koordinierenden Ministerium für Ernährung angesiedelt. Die Natur und das Meer dienen nur mehr als Lieferanten von Rohstoffen für industrielle Ernährungsprojekte. [3]
Kostenlose nahrhafte Mahlzeiten und Ernährungspolitik
Das Programm für kostenlose nahrhafte Mahlzeiten (Makan bergizi gratis – MBG) war eines der zentralen Wahlversprechen Prabowos. Die Umsetzung des Programms hat jedoch gravierende Probleme mit sich gebracht, angefangen bei Budgetkürzungen in anderen Ressorts, über mehr als 5.000 Schüler*innen, die in verschiedenen Regionen des Landes Lebensmittelvergiftungen erlitten haben, bis hin zur Begünstigung einer auf großflächiger Landnutzung basierenden Ernährungspolitik. Das Budget für das MBG-Programm beträgt für das Jahr 2025 71 Billionen Rupiah (ca. 3,6 Mrd. Euro). Finanziert wird dies durch Kürzungen im Bildungs- und Gesundheitsbudget sowie im Budget für wirtschaftliche Funktionen.
Zusätzlich hat die Regierung im Entwurf des Staatshaushalts 2025 124,4 Billionen Rupiah (ca. 6,34 Mrd. Euro) für das Programm der Food Estates eingeplant. [4] Die Priorität liegt dabei auf der Erschließung neuer Anbauflächen sowie dem Bau von Staudämmen und künstlichen Bewässerungssystemen. Die für das MBG-Programm produzierten Lebensmittel stammen größtenteils nicht aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft und Viehzucht und basieren ebenso wenig auf lokaler Produktion. Wenn man das hohe Budget für das MBG-Programm und die Nahrungsmittelspeicher betrachtet und sich die mangelhafte Umsetzung des Programms vor Augen führt, dann drängt sich der Verdacht auf, dass das MBG-Programm lediglich ein Modus operandi ist, um so Projekte zur Landaneignung für die Food Estates ohne langwierige Genehmigungsverfahren zu legitimieren.
Food-Estates als Maßnahme zur Ernährungssouveränität haben bereits heute gravierende Auswirkungen auf Umwelt und Menschenrechte. Die Food-Estate-Projekte in Zentralkalimantan, Nordsumatra und Merauke sind eine Geschichte des Scheiterns der Regierung, die Ernährungssouveränität aufrechtzuerhalten. Allein in Südpapua wurden 480.000 Hektar Wald für die Schaffung neuer Reisfelder und Zuckerrohrplantagen freigegeben. Im Namen groß angelegter Ernährungsprojekte droht der indigenen Bevölkerung in Südpapua der Verlust ihrer angestammten Gebiete, der lokalen Nahrungsmittel, der traditionellen Medizin und sogar ihrer Identität. [5]
Legalisierung des Palmölanbaus in Waldgebieten und fehlende Vorgaben für die Beseitigung von Umweltschäden
Am 15. August 2025 verkündete Prabowo in einer Rede vor Parlament und Volksversammlung triumphierend, dass der Staat 3,1 Millionen Hektar illegaler Palmölplantagen in Waldgebieten eingezogen habe.
Allerdings wurde diese Wiederinbesitznahme der illegalen Palmölplantagen im Namen der Ordnung von Waldgebieten völlig willkürlich durchgeführt. Verschlimmert wurde das Ganze durch die Übertragung von 1 Million Hektar an das Unternehmen PT Agrinas Palma Nusantara, ohne dass klar ist, auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschah. [6]
Der Einzug illegaler Palmölplantagen in Waldgebieten sowie die Übergabe von Palmölflächen an Agrinas als Form der Vermögensrückführung sind durch die Präsidialverordnung (Perpres) 5/2025 geregelt.
Diese Präsidialverordnung markiert ein neues Kapitel bei der nachträglichen Legalisierung illegaler Waldnutzung, die von der Task Force PKH (Satuan Tugas Penertiban Kawasan Hutan, dt.: Task Force zur Regulierung von Waldgebieten) zur Regulierung von Waldgebieten gesteuert wird – einer Einheit, deren Struktur maßgeblich vom Militär bestimmt wird. Sogar die Führungsebene des Staatsunternehmens PT Agrinas ist überwiegend mit hochrangigen Offizieren der indonesischen Streitkräfte besetzt.
Nach Beobachtungen von WALHI haben die Maßnahmen zur Regulierung der Waldgebiete durchweg neue Probleme geschaffen, anstatt die ökologische Wiederherstellung und die Rückgabe von Land an die lokale Bevölkerung ernsthaft anzugehen. In vielen Regionen geht der Regulierungsprozess am Kern der Probleme vorbei. In einigen Gebieten wurden Bürger*innen sogar zur Zahlung von Abgaben genötigt oder unter Androhung von Gewalt gezwungen, ihr Land abzutreten. Solche Maßnahmen stellen eine Kriminalisierung der Bevölkerung dar, die lediglich versucht, ihre Lebensgrundlagen zu verteidigen. Der Staat, der eigentlich die Interessen der Bürger*innen vertreten soll, tritt stattdessen als eine Instanz auf, die die Bevölkerung unterdrückt.
Das Hauptproblem bei der Umsetzung der PKH-Maßnahmen liegt nicht allein im Aspekt der Legalität, sondern im Fehlen ernsthafter Bemühungen, die Waldgebiete wiederherzustellen und die Landrechte der Bevölkerung zu verwirklichen. Es gibt keine Sicherheit, dass Gebiete, die ‚reguliert‘ wurden, auch tatsächlich ökologisch regeneriert oder an indigene oder lokale Gemeinschaften zurückgegeben werden. Dabei haben sie seit jeher den Wald bewahrt. Der Staat scheint sich mehr auf die Neuordnung der Landbesitzverhältnisse im Forstsektor zu konzentrieren als auf die Durchsetzung von Gerechtigkeit. Angesichts der Klimakrise und der zunehmend gravierenden Umweltzerstörung stellt ein solcher Ansatz einen dramatischen Rückschritt dar.
Revision des Minerba-Gesetzes: Bergbau, Transaktionen und die Bevölkerung als Opfer
Anfang 2025 verabschiedete das Repräsentantenhaus zusammen mit der Regierung die Revision des Minerba-Gesetzes, das den Mineral- und Kohlebergbau regelt. WALHI bewertet dies als einen Wendepunkt hin zu einem Modell der Verwaltung natürlicher Ressourcen, das zunehmend ausbeuterisch und undemokratisch ist. Die Revision des Gesetzes befördert die Liberalisierung und Privatisierung, schwächt die staatliche Kontrolle und missachtet die Prinzipien der ökologischen Gerechtigkeit und das Recht der Gemeinschaften auf einen sicheren Lebensraum.
Der politische Ansatz im Rohstoff- und Bergbausektor ist nicht ganzheitlich. Anstatt die ökologischen und sozialen Funktionen der Gebiete zu berücksichtigen, werden Bergbaugenehmigungen auch auf kleinen Inseln und in gefährdeten Küstengebieten erteilt. Die Fälle der Insel Wawonii, der Insel Obi und Raja Ampat zeigen, wie der Nickelbergbau Korallenriffe zerstört, das Meer verschmutzt, Wasserquellen beseitigt und die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigt. Zudem verstärkt die Gesetzesrevision den Prozess der Liberalisierung und Privatisierung natürlicher Ressourcen. Untersuchungen von WALHI und Auriga zeigen, dass 10 Millionen Hektar Bergbaufläche von Unternehmen kontrolliert werden, wobei 4,7 Millionen Hektar von 55 Unternehmensgruppen kontrolliert werden. Der Staat fungiert nur als Lizenzgeber, während die Gewinne in die Taschen privater Unternehmen fließen.
Bei der Gesetzesrevision handelt es sich nicht bloß um eine regulatorische Änderung, sondern diese ist vielmehr Ausdruck einer wirtschaftspolitischen Machtkonsolidierung, die zulasten der Umwelt und der Rechte der Bevölkerung geht. WALHI fordert eine Überprüfung dieser Politik sowie eine Stärkung ökologischer Schutzmechanismen und der Bürgerbeteiligung bei der Verwaltung der natürlichen Ressourcen.
Geisel der Energiewende: Dominanz der Konzerne und Fortschreibung des fossilen Zeitalters
Das Jahr 2025 sollte eigentlich ein Momentum für eine gerechte und demokratische Energiewende für Indonesien sein. Doch die Regierung stärkt mit ihrer Politik die Dominanz der Konzerne und verlängert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Anstatt Emissionen zu reduzieren und Ansätze kollektiver Energiegewinnung zu unterstützen, verwandelt sich die Energiewende in ein neues Feld der Ausbeutung und Ungerechtigkeit.
Im gesamten Jahr 2025 gab es kein nennenswertes Engagement für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen oder für die Beschleunigung einer gerechten Energiewende. Schon während der Wahlen 2024 stellte das Thema keine Priorität dar, und die Bevölkerung wurde nicht maßgeblich in die Energieplanung eingebunden. Öffentliche Konsultationen waren lediglich eine reine Formalität, die Entscheidungen blieben hierarchisch („Top-Down“) – was den Prinzipien der Energiedemokratie und der ökologischen Gerechtigkeit widerspricht.
Die Regierung unter Prabowo verabschiedete den Nationalen Stromversorgungsplan für die Jahre 2025-2034. Dieser sieht den Zubau von Kraftwerken mit einer Leistung von 16,6 GW auf fossiler Basis vor, wovon 10,3 GW aus Gaskraftwerken stammen sollen.[7] Dies steht im krassen Widerspruch zu dem von Präsident Prabowo propagierten Ziel der Energieunabhängigkeit und Effizienz. Die Abhängigkeit von Gas birgt zudem das Risiko steigender Emissionen und einer höheren fiskalischen Belastung für den Staatshaushalt, während ein konkreter Fahrplan für die Stilllegung alter Kohlekraftwerke (PLTU) weiterhin fehlt.
Bei vielen Maßnahmen, die als Beitrag zur Energiewende verkauft werden, handelt es sich de facto um Scheinlösungen, die Nachhaltigkeit lediglich vortäuschen. Geothermieprojekte, Müllverbrennungsanlagen und die Expansion des Abbaus kritischer Mineralien werden als Teil der Dekarbonisierung verkauft, verursachen in der Realität jedoch schwerwiegende soziale und ökologische Auswirkungen. Das Geothermieprojekt Muara Laboh in West-Sumatra führte aufgrund der Nähe zu Siedlungen zu Ernteausfällen und Umweltverschmutzung. In Nord-Sumatra verursachte das Geothermieprojekt Sarulla Agrarkonflikte und Einkommensverluste für Landwirte. Widerstand gegen Geothermieprojekte regt sich zudem in Padarincang, Gede Pangrango, Ciremai, Baturaden, Dieng, Arjuno-Welirang, Lemongan, Wae Sano und Poco Leok. Inmitten der forcierten Großprojekte, die offiziell als Teil der Energiewende deklariert werden, bleiben gemeinschaftsbasierte Ansätze für erneuerbare Energien gänzlich unbeachtet. Dabei stellt gerade dieses Modell die Bevölkerung als Hauptakteure in den Mittelpunkt einer gerechten und nachhaltigen Energieproduktion. Finanzierungsprogramme wie JETP und AZEC bevorzugen Großkonzerne und Hochtechnologie, ohne spezielle Mittel für lokale Initiativen bereitzustellen. In Regionen wie Ost-Nusa-Tenggara und West-Kalimantan werden Gemeinschaften, die kommunale Solaranlagen aufbauen wollen, oft durch Regulierungen, den ungeklärten Landstatus und mangelnde technische Unterstützung behindert. Diese Ungleichheit verdeutlicht, dass die Energiewende in Indonesien nicht im Interesse der Bürger erfolgt, sondern den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Eliten dient.
Paradoxon der indonesischen Klimaverpflichtungen
Präsident Prabowo Subianto bekräftigte wiederholt auf internationalen Foren, dass Indonesien sich verpflichtet, dem Klimawandel mit konkreten Aktionen zu begegnen. Unter anderem versprach er ein Netto-Null-Emissionsziel bis 2060 oder schneller. Doch in der Praxis zeigen die Energie- und Entwicklungspolitik in eine andere Richtung.
Verschiedene neuere Vorschriften wie die Regierungsverordnung Nummer 40 von 2025 über die Nationale Energiepolitik und der Strategieplan zur Stromversorgung zeigen in die entgegengesetzte Richtung. Der Anteil fossiler Energie dominiert weiterhin mit 26–32 Prozent, mit Plänen für zusätzliche Gas- und Kohlekraftwerke von 16,6 Gigawatt in den nächsten zehn Jahren.
Anstatt die Emissionen zu reduzieren, fördert die Regierung „falsche Lösungen“ wie das Co-firing von Biomasse und Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS/CCUS), mittels derer eine Verlängerung der Laufzeit von Kohlekraftwerken ermöglicht werden soll. Eine Studie von Forest Watch Indonesia merkt an, dass Biomasse als Brennstoff für 52 Kohlekraftwerke potenziell eine Entwaldung von bis zu 4,65 Millionen Hektar verursachen könnte.[8]
Der Ansatz zur Klimaanpassung zeigt denselben logischen Fehlschluss. Das Vorhaben zum Bau eines riesigen Meeresdeichs (Giant Sea Wall) im Norden Javas beispielsweise wird als großes Anpassungsprojekt gegen den Meeresspiegelanstieg wiederbelebt. WALHI bewertet dieses Projekt als eine Form der Fehlanpassung, die das Leben der Küstengemeinschaften bedroht und die Zerstörung der Meeresökosysteme beschleunigt.[9]
Die Klimaverpflichtung der Regierung Prabowo ist bis heute rein deklaratorischer Natur. Die Regierung betrachtet die Klimakrise weiterhin als eine technokratische Herausforderung und nicht als Krise der Gerechtigkeit. Solange die Klimapolitik vorrangig Kapitalinteressen und der Logik des Wirtschaftswachstums untergeordnet wird, wird die Verpflichtungserklärung zum Klimaschutz jedoch nur eine diplomatische Rhetorik auf der globalen Bühne bleiben.
Versagen der Regierung im Umgang mit ökologischen Katastrophen
Im ersten Jahr der Präsidentschaft Prabowos ist es der Regierung nicht gelungen, auf ökologische Katastrophen angemessen zu reagieren. Seit Anfang März 2025 kam es im Großraum Jakarta (Jabodetabek) zu Umweltkatastrophen, die die ohnehin bestehende ökologische Krise weiter verschärft haben. Diese Krise ist das Resultat von Ungerechtigkeit sowie einer gescheiterten Politik im Umgang mit natürlichen Ressourcen, welche zur Zerstörung der Umwelt – sowohl von Wohngebieten als auch von bestehenden Ökosystemen – geführt hat.
Der Hauptfaktor, der diese Katastrophe verschlimmert, ist die unkontrollierte Ausbeutung der Umwelt. Wälder in der Region Puncak und Umgebung, die eigentlich Wassereinzugsgebiete sein sollten, mussten vielfach Siedlungen, Villen sowie Touristenzielen weichen. In den letzten fünf Jahren verzeichnete WALHI West-Java, dass der Grad der Umweltschäden in diesem Gebiet von 45 % auf 65 % gestiegen ist.
Landnutzungsänderungen werden häufig unter Missachtung der ökologischen Belastungs- und Aufnahmekapazität erteilt sowie ohne Berücksichtigung der Umweltverträglichkeitsprüfungen (AMDAL) in katastrophenfährdeten Gebieten. WALHI West-Java hebt hervor, dass viele Genehmigungen für Immobilien- und Tourismusbetriebe ohne eingehende Prüfungen erteilt wurden. Zudem verschlechtert der illegale Sand- und Steinabbau den Zustand des Bodens weiter und macht ihn anfälliger für Erosion und Erdrutsche.
Bedauerlicherweise betrachtet die Regierung von Präsident Prabowo ökologische Katastrophen nicht als ein staatliches Problem, dessen Ursachen an der Wurzel angegangen werden müssen. Ökologische Katastrophen werden weiterhin lediglich als Ereignisse angesehen, die durch die Verteilung von schneller und zielgerichteter Hilfe gelöst werden können. Es mangelt hingegen an einer tiefgreifenden Evaluierung der Ursachen dieser Katastrophen. Im vergangenen Jahr hat die Regierung Prabowo keine strategischen Bemühungen zur Prävention und Bewältigung ökologischer Krisen gezeigt. Im Gegenteil: Die Agenda von Präsident Prabowo und Gibran, die ein Wirtschaftswachstum von 8 % anstrebt, ignoriert fundamentale Probleme ökologischer Katastrophen, wie etwa eine investitions- und ausbeutungsorientierte Ressourcenpolitik, Missmanagement in der Raumplanung, umweltschädliche Bauprojekte und eine schwache Strafverfolgung.
[1] Radio Republik Indonesia, Peneliti INDEF: Pemerintah Prabowo-Gibran Terbebani Utang Rp1.353 Triliun, https://rri.co.id/keuangan/1128742/peneliti-indef-pemerintah-prabowo-gibran-terbebani-utang-rp1-353-triliun
[2] Kompas: Seberapa Besar Potensi Pembengkakan Anggaran karena Gemuknya Kabinet Prabowo?. https://www.kompas.id/artikel/seberapa-besar-potensi-pembengkakan-anggaran-karena-gemuknya-kabinet-prabowo
[3] WALHI: Penyelamatan Lingkungan dan SDA Rezim Prabowo Gibran di Tepi Jurang, https://www.walhi.or.id/penyelamatan-lingkungan-dan-sda-rezim-prabowo-gibran-di-tepi-jurang
[4] Tempo: Sri Mulyani Sebut Prabowo Akan Lanjutkan Food Estate, Alokasi Anggaran Mencapai Rp124,4 Triliun, https://www.tempo.co/ekonomi/sri-mulyani-sebut-prabowo-akan-lanjutkan-food-estate-alokasi-anggaran-mencapai-rp-124-4-triliun-15048
[5] WALHI, PSN Pangan dan Energi di Papua: Kekerasan Terbuka Negara Terhadap Lingkungan dan Masyarakat Adat Papua, https://www.walhi.or.id/psn-pangan-dan-energi-di-papua-kekerasan-terbuka-negara-terhadap-lingkungan-dan-masyarakat-adat-papua
[6] Kementerian Pertahanan Republik Indonesia, Menhan RI Saksikan Penyerahan Penguasaan Kembali Kawasan Hutan Tahap II Seluas 1 Juta Hektar, dan Penguasaan Taman Nasional Tesso Nilo, serta Kebun Kelapa Sawit Hasil Penguasaan Satgas PKH, https://www.kemhan.go.id/2025/07/09/menhan-ri-saksikan-penyerahan-penguasaan-kembali-kawasan-hutan-tahap-ii-seluas-1-juta-hektar-dan-penguasaan-taman-nasional-tesso-nilo-serta-kebun-kelapa-sawit-hasil-penguasaan-satgas-pkh.html
[7] Muhammad Saleh: Salah arah peta jalan transisi energi Indonesia, https://theconversation.com/salah-arah-peta-jalan-transisi-energi-indonesia-257231
[8] Trend Asia: Membakar dan Menebang Hutan Bukan Solusi Energi Bersih, Tak Pantas Masuk Pendanaan JETP, https://trendasia.org/membakar-dan-menebang-hutan-bukan-solusi-energi-bersih-tak-pantas-masuk-pendanaan-jetp
[9] WALHI: Tanggul Laut Raksasa, Solusi Palsu Krisis Iklim serta Percepat Kebangkrutan Ekologis Daratan dan Perairan Pulau Jawa, https://www.walhi.or.id/tanggul-laut-raksasa-solusi-palsu-krisis-iklim-serta-percepat-kebangkrutan-ekologis-daratan-dan-perairan-pulau-jawa
