Indonesien-Information Nr. 1 1995 (West-Papua)

Buchbesprechung

Westpapua - zerstörtes Paradies heißt ein vom Pazifik-Netzwerk neu herausgegebenes Buch - eine Übersetzung und aktualisierte Fassung von Plunder In Paradise, verfaßt 1990 von der Anti-Slavery Society, London.

Das Buch gibt in gut lesbarer Form einen umfassenden Überblick über die Historie und die brennenden Probleme Westpapuas, ohne sich dabei in Details zu verlieren. Es wird versucht, Westpapua auch Nicht-ExpertInnen verständlich zu machen. So wird z.B. die Geschichte vom mythischen Helden Manserem erzählt, der - heute oft mit Jesus gleichgesetzt - seine magische Kraft erhielt, als er den Morgenstern einfing. Die Flagge Westpapuas zeigt das Bild des Morgensterns und wenn sie weht, zieht sie übernatürliche Hilfe für den Kampf gegen die Fremden an.

Eine häufig gezeigte Form des gewaltlosen Widerstandes ist das Hissen dieser Flagge. Diese Zeremonie bleibt manchen hierzulande unverständlich, die für Flaggen und andere Hoheitssymbole eher Abneigung verspüren. Die Geschichte von Manserem bringt der LeserIn die Bedeutung dieser Symbolik näher. Warum allerdings Leute wegen des Hissens der Flagge erschossen werden oder im Knast landen, kann das Buch freilich nicht erklären.

Die Bedeutung von Manserem/Jesus wird von christlichen Organisationen nicht etwa zum Anlaß genommen, die Papua in ihrem Streben nach Freiheit zu unterstützen. Das Buch beschreibt die Passivität der Kirchen und die Kompromißbereitschaft westlicher Missionare, die sich gar zu Helfershelfern für den Genozid an den Papua machen lassen. Nicht diskutiert wird leider die grundsätzliche Rolle der Mission, d.h. inwieweit zerstört sie auch ohne Hilfsdienste fürs Militär die Kultur der Papua? Solche Fragen sorgten vor einiger Zeit für erhebliche Kontroversen zwischen dem Magazin Ökozid und der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM).

Leider wurde der leichten Lesbarkeit des Buches weitgehend die Angabe von Quellen geopfert, die besonders da interessant wären, wo Zweifel an der Richtigkeit von Angaben bestehen. Auf S. 96 heißt es z.B., die Pläne des Scott-Konzerns, eine Zellstoffabrik zu errichten, seien besonders besorgniserregend, weil "für das Bleichen des Papiers tödliches Dioxin benutzt" werde. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen Übersetzungsfehler, denn eine Dioxin-Bleiche gibt es nicht. Gemeint ist wohl die Chlor-Bleiche, die in Zusammenhang mit der Dioxinproblematik steht.

Wenngleich nicht unbedingt für wissenschaftliche Zwecke geeignet, Westpapua - zerstörtes Paradies (121 S.) ist lesenswert. <>
   
 

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