Indonesien-Information Nr. 1, 1997 (Pressefreiheit)

Ein Journalistenmord und das Cover-up der Polizei

Die Nachforschungen der Polizei im Fall des brutalen Mordes an einem Journalisten im letzten August zeigen sich immer mehr als dreistes Cover-up, um einflußreiche lokale Interessen im Distrikt Bantul, Zentraljava, zu schützen, die eindeutig in den Mord verwickelt waren. Der Journalist, Faud Mohammad Syarifuddin, wurde letzten August von zwei Männern in seinem eigenen Haus tödlich verletzt.

Udin, wie er von seinen Freunden genannt wurde, hatte eine Reihe von Artikeln in der Yogyakartaer Zeitung Bernas geschrieben und ein Netz von Korruption in der lokalen Verwaltung aufgedeckt, das direkt zum Büro des Distriktchefs (Bupati) von Bantul führte. Er fuhr damit fort, seine Berichte zu veröffentlichen, obwohl er gewarnt worden war, daß sein Leben bedroht ist.

Der Mord an Udin war seitdem ständig auf den Titelseiten und verursachte viel Wut unter JournalistInnen und RechtsanwältInnen, die daran zweifeln, daß die Nachforschungen der Polizei zum wahren Schuldigen führen.

Bald nach Udins Tod behauptete der Polizeichef von Bantul, daß es sich bei dem Verbrechen nicht um politische Motive handle und mutmaßte sogar, sehr zum Leid seiner Witwe, daß der Mord mit einer angeblichen außerehelichen Affäre des Ermordeten zusammenhängt. Die Polizei von Bantul wird auch beschuldigt, ein Notizbuch in Udins Haus konfisziert zu haben, das Informationen über verschiedene Skandale im Umkreis der lokalen Verwaltung enthielt.

Mehr als zwei Monate nach dem Mord verhaftete die Polizei von Bantul einen Fahrer namens Dwi Sumaji, und behauptete, daß er den Mord gestanden habe. Er soll Udin angeblich umgebracht haben, weil seine Frau, eine Schulfreundin Udins, angeblich eine Affäre mit ihm gehabt hatte. Innerhalb von Tagen wurden die Behauptungen heiß diskutiert. Die Frau des Toten, Marsiyem, die die Haustür geöffnet hatte, um die späteren Mörder ihres Mannes nur wenige Minuten vor dem Mord hereinzulassen, bestritt, daß der Verdächtige der Polizei der Mann war, den sie gesehen hatte. Die Frau des Verdächtigen besteht darauf, daß er zum Zeitpunkt des Mordes bei ihr war und sein Anwalt sagte, daß während Dwi Sumaji bei der ersten Vernehmung, als kein Anwalt dabei war, das Verbrechen gestanden hatte, er das Geständnis widerrief, nachdem ein Anwalt anwesend war.

Anwälte die für Udins Frau arbeiten, klagten die Polizei an, einen Unschuldigen zu verurteilen, um den wahren Grund des Mordes, nämlich Vergeltung für die Veröffentlichung der Aktivitäten korrupter lokaler Beamter, zu verschleiern.

Unabhängig von den Polizeinachforschungen sind drei Gruppen zu dem Schluß gekommen, daß Udins Mord mit seiner Arbeit als Journalist zusammenhing. Zuerst veröffentlichte ein Fact-finding Team, das vom unabhängigen Journalistenverband AJI zusammengestellt worden war, seine Erkenntnisse und eine detaillierte Chronologie der Ereignisse, die zu Udins Tod führten. Im Anschluß kam Komnas HAM, die nationale Menschenrechtskommission zu den gleichen Schlüssen. Die Kommission beschuldigte die Polizei auch, bei der Verhaftung von Dwi Sumaji gegen seine Grundrechte und die normale Prozedur verstoßen zu haben Vor kurzem kam ein Fact-finding Team des lokalen Zweigs des indonesischen Journalistenverbands PWI zu dem Schluß, daß Udin als Strafe für die Berichte, die er kurz vor seinem Tod geschrieben hat, ermordet wurde.

Im Laufe der Nachforschungen wurde der Polizeichef von Bantul, der mit dem Fall betraut war, plötzlich von seinem Posten abgelöst und in einen abgelegenen Polizeiposten in Ost-Java versetzt. Der Udin-Fall wurde von einem höherrangigen Polizeikommandanten, dem Polizeichef von Yogyakarta, übernommen.

Die Versetzung steht in einer Reihe mit anderen Irrtümern in der Prozedur im Umfeld der Verhaftung Dwi Sumajis. Er wird jedoch immer noch als Hauptverdächtiger betrachtet und wahrscheinlich bald vor Gericht kommen. Damit wird ein Cover-up besiegelt, das mächtige Interessen in der Region schützt. <>

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