Indonesien-Information Nr. 1, 1997 (Wirtschaft)

Die Kombination Nobel und Timor ist schwer zu verdauen

Von außen her sieht der Timor wie ein Nobelauto aus. Doch technisch ist der Timor Schrott, meinen Kritiker. Timor ist das stolze indonesische Nationalauto aus dem Schoße von Suhartos Sohn Tommy /SiaR, 30.01.97/.

Die Erklärung, daß das Nationalauto nur Schrottware sei, kam aus dem Munde der Parlamentarierin Ni Gustu Ayu Eka Sukmadewi von der Demokratischen Partei Indonesiens, PDI, nach ihrem Zusammentreffen mit dem Minister für Handel und Industrie. Ihre Feststellung basierte auf einem Besuch nach Süd-Korea Ende 1996. Mit einer siebenköpfigen Delegation hatte sie dort das Werk von KIA Motor Company besucht, wo das Nationalauto Timor produziert wird (s. Indonesien-Information 2/96).

Da Indonesien noch kein eigenes Auto produzieren kann, ein Auto aber als nationales Produkt deklariert werden kann, wenn es im Ausland - in diesem Fall in Süd-Korea - von indonesischen Arbeitern produziert wird, wollte die Delegation wissen, wieviele indonesische Arbeiter denn bei KIA beschäftigt seien. Zum Entsetzen der indonesischen Delegation lautete die Antwort, es seien lediglich drei Indonesier bei KIA Motor Company beschäftigt. Dagegen fanden sich 12.000 indonesische FremdarbeiterInnen in einer Besteck- und einer Porzellanfabrik /SiaR, 30.1.97/. Die wahren nationalen Produkte Indonesiens sind also Löffel und Porzellan aus Süd-Korea, so scheint es.

Für weiteres Entsetzen der Delegation sorgte die Feststellung, daß das gemeinsame Werk Timor im Ursprungsland als Schrott gilt, weshalb es vom koreanischen Markt bereits abgezogen wurde. Dieses Auto sei wegen fehlerhafter Gestaltung und Produktionsmängeln nicht zu verkaufen gewesen, hieß es. Eben dieses Schrottauto wird nun als nobles Nationalauto deklariert in Indonesien verkauft /SiaR, 30.1.97/. Wie erste Marktuntersuchungen zeigten sind die Verkaufszahlen des Nationalautos nicht so überwältigend wie geplant. "Viele Käufer haben sich beklagt. Sie haben nicht gedacht, daß die Maschine nicht hält, was das Äußere des noblen Auto verspricht", erzählte ein Käufer /SiaR, 30.1.97/ - die Kombination aus Nobel und Timor ist in Indonesien schwierig zu verdauen. Das erhoffte Verkaufsziel von 4.000 'Timoresen' im Monat wurde inzwischen nach unten auf nunmehr 3.000 korrigiert. Tausende 'Timoresen' warten im Lager auf Jakartas internationalem Flughafen auf ihre Auslieferung /Kabar dari Pijar, 29.1.97/. Und nicht einmal das Rote Kreuz kann diesmal behilflich sein... Der Minister für Handel und Industrie, Tunky Ariwibowo, der wegen des Nationalautos von der Welthandelsorganisation WTO scharf angegriffen wurde, verweigerte einen Kommentar. "Ich weiß nicht," erklärte er gegenüber der Presse, "wir nehmen es mal als Notiz zur Kenntnis" /SiaR, 30.1.97/. Wie berichtet wird, sind wegen des Timors vor allem die Wirtschaftsbeziehungen Indonesiens mit Japan in Bedrängnis geraten /Kabar Dari Pijar, 29.1.97/. Nun wird versucht, mit noblen Bedingungen neue Käufer für das Nobelauto Timor zu finden. Der Preis wurde von ursprünglich 40 mio Rupiah (ca. DM 27.000,-) auf nur noch 34 mio Rupiah (DM 23.000,-) gesenkt. Die Käufer dürfen ohne zusätzliche Zinsen in Raten bezahlen /SiaR, 30.1.97/.

Derweil wird die Produktion eines wirklichen Nobelautos erwogen. Die Verhandlungen zwischen Porsche und der Firma Indomobil, in indonesischen Fabriken den Porsche 911 zu montieren sollen kurz vor dem Abschluß stehen. Aufgrund der entfallenden Einfuhrsteuer wird der flotte Flitzer schon für 400 mio Rupiah (DM 270.000,-) zu haben sein /Bisnis Indonesia, 11.12.96/. Wer da noch Becak fährt ist selber schuld. <>

 
 
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