Indonesien-Information Nr. 1, 1997 (Unruhen)

Jakarta in Flammen

Im Stadtteil Tanah Abang, Jakartas Textilhandelsbezirk, wurden bei Unruhen am Montag, den 27.1.97, 250 Geschäfte verwüstet /Reuters, 28.1.97/. Betroffen waren u.a. zwei große Einkaufszentren, das Harco Plaza und das King Plaza. Der Sachschaden wird auf 22 Mrd. Rupiah (ca. DM 15 mio) geschätzt. Auch die Stadtteilsverwaltung von Tanah Abang wurde niedergebrannt, wobei weitere 1,23 Mrd. Rupiah (ca. DM 800.000,-) Sachschaden entstanden /Republika, 29.1.97/. Sechs Dienstwagen, ein Motorradund drei Computer der Stadtverwaltung wurden zerstört. Die Unruhe griff auch auf benachbarte Viertel über, wo ein Religionsgericht und eine Moschee der Stadtteilsverwaltung verwüstet wurden. Elf Personen wurden verhaftet. /Kompas, 29.1.97, Media Indonesia, 29.1.97/

Die Unruhen vom 27. Januar waren verursacht durch den Zorn der Kleinhändler auf dem Markt von Tanah Abang /Republika, 28.1.97/. Der Unmut der Händler richtete sich gegen das Ordnungspersonal der Stadtteilsverwaltung. "Sie schlagen willkürlich auf die Kleinhändler ein. Wir verkaufen hier und haben schon unsere Standgebühr bezahlt", erklärte ein Kleinhändler. Täglich müssen die Händler 1.000 Rupiah (ca. 65 Pfennig) Standgebühr entrichten. Um einen 'strategischen Platz'zu bekommen, muß allerdings schon mal tiefer in die Tasche gegriffen werden. 600.000 Rupiah (ca. DM 400) bezahlte ein Stoffverkäufer für die Genehmigung, seine Ware über den gesamten Monat Ramadhanan einem günstig gelegenen Platz anzubieten.

"Das Ordnungspersonal beschimpfte die Kleinhändler und durchwühlte ihre Verkaufsstände. Sie schrien uns an und sagten, 'Hunde kann man erziehen, aber euch nicht'", erzählte ein Händler gegenüber dem Rechtshilfeinstitut LBH. Der Streit zwischen Händlern und Ordnungspersonal weitete sich schnell aus. Andere Marktverkäufer solidarisierten sich. Die Ordnungshüter merkten die Gefahr und verließen den Ort mit ihrem Dienstwagen. Doch unglücklicherweise überfuhren sie bei diesem eiligen Aufbruch einen der Händler so schwer, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Der Markt tobte, als das Gerücht die Runde machte, das Opfer sei gestorben /Kabar dari Pijar, 28.1.97, Kompas, 29.1.97/.

Tausende von Händlern zogen daraufhin los und verwüsteten das Büro der Stadtteilsverwaltung und eine Reihe von Geschäften /Media Indonesia, 29.1.97/. Auch benachbarte Stadtteile blieben nicht verschont. Dort wurden ein Religionsgericht und eine Moschee verwüstet /Kompas, 29.1.97/. Die Stadtverwaltung hielt es nicht für möglich, daß ihr Personal sich wie von den Händlern beschrieben benommen habe. Möglicherweise habe es sich bei diesen Leuten um dubiose Gestalten gehandelt, die sich als Ordnungspersonal ausgegeben hätten /Kompas, 29.1.97/.

Tatsächlich operieren in Tanah Abang dubiose Gestalten als Ordnungshüter. Erst Anfang Januar wurden in dem Bezirk zehn Personen verhaftet, die an Bandenkriegen im kriminellen Milieu beteiligt gewesen sein sollen /Reuters, 27. u. 28.1.97/. Zwei größere Banden kämpfen in Jakartas Textilbezirk um die Vorherrschaft: die eine rekrutiert sich hauptsächlich aus entwurzelten Ost-Timoresen, während die Mitglieder der anderen Bande größtenteils aus Irian Jaya (West Papua) stammen /Reuters, 27.1.97/. Beide Banden terrorisieren die Händler in Tanah Abang mit Schutzgelderpressung und anderen Delikten. Wie es heißt, werden diese Bandenaktivitäten von einem ranghohen Militär gedeckt. Generalmajor Prabowo, Elitetruppenkommandant und Schwiegersohn von Suharto, dementierte Berichte, wonach er und seine Truppe in die kriminellen Machenschaften der Banden verwickelt sein sollen /Reuters, 27.1.97/. <>

 
 
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