Suara Nr. 1/2008 (Nachrichten)

SBY sagt Europareise ab

von Alex Flor


Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono (SBY) sagte eine für dieses Jahr geplante Europareise ab. Zur Begründung hieß es, Indonesien sei verärgert über die Entscheidung der EU, sämtlichen 51 indonesischen Fluggesellschaften – einschließlich des nationalen Flag Carrier’s Garuda Indonesia – aus Sicherheitsgründen die Landeerlaubnis auf europäischen Flughäfen zu verweigern.

Das Landeverbot wurde nach einer Reihe von Flugzeugunglücken in Indonesien verhängt. Am 1. Januar 2007 war eine Maschine des Billigfliegers Adam Air mit 102 Personen an Bord auf einem Flug nach Sulawesi ins Meer gestürzt. Im März des selben Jahres schoss eine Maschine der Garuda Indonesia bei der Landung in Yogyakarta über die Landebahn hinaus und geriet in den angrenzenden Reisfeldern in Flammen. 21 Passagiere, darunter Angehörige einer australischen Regierungsdelegation, konnten nur noch tot geborgen werden.

Das Unglück ähnelt der missglückten Landung einer MD-82 von Lion Air, die 2004 in Solo (Surakarta) über die Landebahn hinausschoss. Unterschiedliche Angaben sprechen von 25 bis 32 Toten. Zwei Jahre zuvor stürzte eine Boeing 737-200 der selben Gesellschaft kurz nach dem Start in Pekanbaru, Riau, ab. Glücklicherweise blieben alle 96 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder am Leben.

Im März 2005 stürzte in Medan, Nordsumatra, eine Maschine der in Besitz des Militärs befindlichen Fluggesellschaft Mandala kurz nach dem take off in ein angrenzendes Wohngebiet. 104 Passagiere und 39 Anwohner fanden den Tod. Unter den Opfern befanden sich der Gouverneur der Provinz, Teuku Rizal Nurdin sowie sein Vorgänger Raja Inal Siregar.

Der mitten in der Millionenstadt Medan gelegene Flughafen Polonia war bereits mehrfach Schauplatz schwerer Unglücke. 1979 kostete der Absturz einer Fokker F28-1000 von Garuda Indonesia 64 Menschenleben. 1987 stürzte eine McDonnall Douglas DC-9-32 von Garuda Indonesia ab, nachdem sie beim Anflug einen Strommast berührt hatte. 32 Menschen starben. 1997 zerschellte eine Garuda-Maschine vom Typ Airbus A 300B4-200 im Gebirge nahe Medan. 234 Passagiere und Besatzungspersonal kamen dabei ums Leben.

Auch am Boden war der Flughafen Polonia in Medan mehrfach Schauplatz von Katastrophen. Am 1. Dezember 2007 brannte das Terminal für Inlandsflüge aus bislang ungeklärter Ursache restlos aus. Zuvor hatte es hier bereits im März 2006 gebrannt. Noch in diesem Jahr soll ein neuer Flughafen außerhalb Medans eröffnet werden. Das Gelände des Polonia-Airports wurde längst zum Spekulationsobjekt.

Die staatliche Garuda Indonesia kann auch dann nicht als sicher gelten, wenn das Risiko eines Flugzeugunglücks unberücksichtigt bleibt. Am 7. September 2004 starb der prominente Menschenrechtsverteidiger Munir an Bord eines Garuda-Fluges nach Amsterdam an einer Arsen-Vergiftung. Ein Direktor sowie ein Flugbegleiter der Gesellschaft wurden vor Gericht der Mitwirkung an dem Mord überführt und zu Haftstrafen verurteilt.

Während der letzten Monate wurden in der Nähe indonesischer Flughäfen mindestens drei Mal Trümmerteile von Flugzeugen gefunden. Piloten registrierten keine Besonderheiten. Behörden machten sich auf die Suche nach der Herkunft der vom Himmel herab gefallenen Teile von Tragflächen oder Maschinenabdeckungen. In einem Fall konnten die Teile einer Maschine der Batavia Airlines zugeordnet werden, die mit 138 Passagieren an Bord sicher in Pontianak landete. /Koran Tempo, 24.11.07/

Für Überlegenheitsäußerungen des Westens besteht kein Anlass. Schwere Unglücke ereignen sich auch in Europa. Dennoch scheinen die Bedenken der EU bezüglich der Sicherheit indonesischer Fluggesellschaften durchaus begründet, wie die aufgeführten Beispiele zeigen. Keineswegs handelt es sich bei den Sanktionen gegen indonesische Fluggesellschaften um protektionistische Maßnahmen. Insofern bleibt die Reaktion des indonesischen Präsidenten unverständlich. Es ist nicht bekannt, dass ein Staatsoberhaupt einen Besuch in Europa absagte, weil ein Fahrzeug der Botschaft seines Landes nicht durch den TÜV kam. <>
 
 

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